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 Galerie Wagner + Partner

Portrait Extended - Sechs Positionen zu unserem Selbst

Alexandra Baumgartner, Nezaket Ekici, Emel Geris, Csilla Klenyánszki, Soline Krug, Natascha Stellmach

12.10.2018 – 17.11.2018

Ausgelöst durch unseren hypermodernen Lifestyle werden Fragen nach der individuellen Sinnproduktion obligatorisch. Dabei sind alt hergebrachte Sinnzusammenhänge, Deutungsmuster, Orientierungsmarken aufgelöst, sie zerfließen schier ineinander und verlaufen anders/ neu. Sicher scheint oft nur das Mittel der Selbstvergewisserung.

Wie sich diese gestaltet, verdeutlicht ein Blick in die sozialen Medien: Das Streben nach Einzigartigkeit als ein Ausdruck der jeweiligen individuellen Persönlichkeit ist geprägt von einer stetigen Sinn- und Identitätssuche, von Attributen, die assoziiert werden mit bestimmten Mode- und Sporttrends, Musik und Kunstausstellungen, der Wahl des richtigen Essens – wir „kuratieren“ mittlerweile alles, was uns unter die Nägel kommt; alles unterliegt letztlich diesem Ideal des vermeintlich Selbstbestimmten.

Doch inwieweit ist dieses Ideal ein Trugschluss? In der Gruppenausstellung Portrait Extended tragen die Künstlerinnen der Suche nach Identität, Bild und Herkunft Rechnung. Inwiefern sind wir selbst- oder fremdbestimmt? Wie viel Macht hat Vergangenheit für das heutige Leben? Der Inszenierung des Selbst stehen in der Ausstellung auf der anderen Seite Auseinandersetzungen mit gesellschaftlicher Prägung, aber auch der Vergänglichkeit, gegenüber.

Alexandra Baumgartner (*1973) hat das objet trouvé wieder salonfähig gemacht: Gefundenes Material bearbeitet sie so, dass wichtige Bildinformationen verschwinden; der Betrachter kann nichts mehr ablesen und ist auf sich selbst zurückgeworfen.

Nezaket Ekici (*1970) lotet in ihrer Kunst immer die verschiedenen Rollen aus, die ihr zugedacht werden. Der Körper fungiert dabei als Erzählinstrument; denn ganz gleich, ob Performance, Installation- oder Videokunst, all ihre Arbeiten kreisen um die Frage, wer (was) bestimmt - und um kulturelle Identität.

Emel Geris (*1980) interessiert vor allem die Ambivalenz des Daseins. Mit ihren mystisch-mythischen Innenansichten, die oft auch kunstgeschichtliche Zitate bergen, bringt sie den Betrachter dazu, Vergänglichkeit und Fragilität der menschlichen Existenz zu reflektieren. Gleichzeitig scheinen diese Räume wie Spiegel des Innenlebens eines (weiblichen) Selbst, das sich aus eigenen sowie sich angeeigneten Bildern speist und daraus neue Assoziationsketten bildet.

Csilla Klenyánszki (*1986) erforscht in ihren Arbeiten das metaphorische als auch physikalische Verständnis eines Gleichgewichts, welches sie mit ihrem spielerisch-experimentellen Ansatz in performativen Interaktionen herzustellen sucht. Dabei reflektiert sie die verschiedenen Rollen der Frau in der Gesellschaft. Ihre 30-Minuten-Skulpturen z. B. inszeniert sie während des Mittagsschlafs ihres Kleinkindes: der einzige Zeitraum am Tag, der ihr als junger Mutter zum künstlerischen Arbeiten bleibt.

Soline Krug (*1984) kreiert mit ihren Lecture-Performances Monologe mit surrealistischem, weil ohne Rezipient, Charakter. Diese kreisen um Selbstfindung und Selbstbehauptung, wobei Krug sich immer den Quell guter Kunst bewahren möchte, nämlich, sich selbst fremd zu bleiben.

Natascha Stellmach (*1970), viele Jahre fest im Programm der Galerie, mischt mit ihren oft provokativen Arbeiten Persönlich-Biographisches mit popkulturellen, geschichtlichen oder fiktiven Aspekten und kreiert so eine Atmosphäre, die menschliche Schwachstellen ausleuchtet und einen in dunkle Gefilde eintauchen lässt.